Viertes Leben : 2007 – 2013

Kaum stand dieser Beschluss, mich wieder zu zeigen, gewann ich auch schon den Designwettbewerb der Firma Atomic. Bald zierte mein Werk ein Snowboard und ich hatte Kontakt zum Designteam – Gut, dachte ich mir, so soll es halt statt der Kunstwelt die Design-Welt werden, der ich mich zeige. Sollte mein Schicksal tatsächlich diesen Pfad für mich bereitet haben, dann werde ich auch darauf gehen. Für meine Unabhängigkeit nahm ich nebenbei meinen ersten, ganz bewusst gewählten Brotjob bei der Firma Ikea an. Mein Credo war schon damals: Miete, Strom und Telefon müssen stets bezahlt werden können ohne, dass ich mich mit meinen Bildern bei irgendjemanden anbiedern oder alimentieren lassen muss. Unabhängigkeit bringt Freiheit und Freiheit bringt mir das höchste Maß an Entfaltung sowie Raum zur Entwicklung meiner Fähigkeiten.

 

Allerdings kam dann selbstverständlich wieder alles anders als erdacht. Eben so, wie es sich gehört, wenn man als Mensch großartig plant und glaubt alles durchschaut und endlich die Fäden selbst in der Hand zu haben.
Mein Vater erkrankte an einer unheilbaren Form von Krebs … es war ein langes Sterben und ein schmerzhaftes. Dabei zu sein brachte mir tiefe Demut davor, gesund zu sein – was für ein Privileg, das so viele von uns genießen und leider oft nicht oder aber erst viel zu spät zu schätzen lernen.

 

Diese Zeit war aufwühlend, brachte aber den Frieden zurück in unsere Beziehung. Viele Gespräche füllten die Leere, die zwischen uns beiden war und sie brachten uns einander wieder näher. Wir durften letztendlich teilhaben an den Gedanken des jeweils anderen und das Verzeihen, sowie aufrichtiges Verständnis füreinander hielten Einzug … Friede zwischen zwei Seelen ist wohl eines der kostbarsten Dinge in diesem Leben.

 

2013 verstarb Vater dann und ich und mein Bruder Christoph wuchsen noch enger zusammen. Nach anfänglicher Trauer und Unsicherheit durfte ich miterleben, wie mein Bruder über sich hinaus wuchs und losgelöst von allem in ein selbstständiges Leben tauchte. Es war schön ihn dabei zu begleiten und eine Bereicherung für mein Herz, Geist und Seele.

 

Ich ging letztendlich von Teilzeit in Vollzeitarbeit und packte meine Zeichnungen, Pläne und Ambitionen fürs Erste wieder weg in mein Innerstes. Dorthin, wo die Gewissheit wohnte, dass meine Zeit kommen wird und das Leben trotz aller Herausforderungen wunderschön ist und ein Privileg. „Alles im Leben hat seine Zeit“… auch so ein Zitat, das die Wahrheit in sich trägt.

 

Dass das Zeichnen, Malen und Schreiben, das ich nun auch für mich entdeckt hatte, Eckpfeiler für meine mentale Gesundheit in dieser Zeit waren, brauche ich nicht extra zu unterstreichen. Meine Gabe war schon immer mein Rettungsboot und wird es auch immer sein. Verlöre ich sie, so wär´s, schätze ich aus mit mir.

 

© tamara-matara