Sechstes Leben : 2015 – 2017

Die Formate wurden nun größer, die Technik mit jedem Werk präziser und der Ausdruck stärker. Das Leben malte mir den Pfad vor und ich tanzte nun darauf. Als ich das Bild „So sprach die Seele – Nimmermehr!“ malte spürte ich, es ist Zeit es erneut zu versuchen in die Welt da draußen durchzubrechen. Ich reichte dieses Gemälde bei einem Wettbewerb ein und siehe da, ich gewann den „Ernst und Rosa von Dombrovski Stiftungspreis 2016“.
Dieser Gewinn ermöglichte mir, das erste Mal meine großformatigen Werke vor Publikum und mich selbst der Welt zu zeigen. Nach der Preisverleihung Ende 2016 überstürzten sich die Ereignisse, öffneten hoffnungsvoll die Pforten.

 

Es folgten die Aufnahme im Steirischen Werkbund und die Teilnahme bei der Gruppenausstellung „Alice im Wunderland“ im Jänner 2017 im Künstlerhaus Graz. Darauf wurde eines meiner Werke für die Jubiläumsausstellung der Top-10-Galerie „Kunstraum“ in Wien von Mag. Hubert Thurnhofer ausgewählt und ich stellte das erste Mal in der Bundeshauptstadt bei der Ausstellung „Wasserwelten“ mit aus. Ein weiteres Bild fand Anfang August in der Gruppenausstellung „Polarität3.3“ des Galerieprojekt 38 erneut in Wien einen Platz und am 3. November durfte ich meine erste Personale mit Namen „Kraftakt“ in der Werkbundgalerie in Graz eröffnen. In diesem Jahr folgte noch eine weitere Teilnahme bei einer Gemeinschaftsausstellung im Künstlerhaus Graz sowie eine weitere Ausstellung in der Top10- Galerie Kunstraum in Wien.

 

2017 war geprägt von künstlerischen Chancen, aber auch von einem zweiten viel größerem Ereignis.
Im Sommer 2017 erkrankte mein Bruder Christoph schwer und mir war klar, meine Hauptaufgabe war nun, ganz egal ob der heiß ersehnte Durchbruch leise anklopfte oder nicht, Christoph beim Sterben zu begleiten.
Brüderchen und Schwesterchen. Nur er und ich. Es war eine fordernde Zeit mit dem Spagat zwischen Brotjob, künstlerischen Aufträgen, großen Chancen und dem wohl wichtigsten Part – meinem Bruder der Fels in der Brandung zu sein, den er brauchte.

 

Ich habe unglaublich viel gelernt auf diesem Weg und habe den letzten meiner Brüder begleitet bis zum Anfang des Regenbogens. Ich habe Dinge gesehen und gefühlt, die mich für immer berühren und führen werden. Die Vergänglichkeit wohnt in uns allen und das Bewusstsein darüber, dass jeder einzelne Tag, der einem in diesen Leben geschenkt wird, die immer wieder kehrende Chance ist das Beste und Edelste daraus zu machen, ist ein Geschenk, das ich zum Abschied von meinem wunderbaren Bruder bekam – danke dafür Christoph.
Nach seinem Tod kamen 2018 noch fünf Ausstellungen in Wien, Graz und Leobersdorf bis ich an dem Punkt ankam, wo ein Wort mein Leben bestimmte: Müdigkeit.

 

So habe ich das Jahr 2018 nach meinen künstlerischen Verpflichtungen am Anfang des Jahres ruhig gestaltet, um mir meine Energie wieder zurück zu holen und wieder meine Mitte zu finden.
Die Werke, die 2018 entstanden sind großteils so persönlich, dass sie – denke ich – auf immer mir alleine gehören werden und auf keiner Ausstellung dieser Welt etwas zu suchen haben. Doch das ist gut so, nicht alles muss geteilt werden.

 

Die Werke, die aber nun im Entstehen sind, erstaunen mich erneut. Wieder lerne ich mich selbst kennen durch die Gabe, die durch meine Hände fließt. Ich bin noch immer Tamara und doch wieder nicht. Bin wieder einmal neu geboren und schaffe mir von neuem meine Welt.

 

Klar wie nie wird mir nun, was der Auftrag für mein künstlerisches Talent ist … ich bin Geschichtenerzähler. Meine Erfahrungen erlauben mir über das Leben, den Tod und das Dazwischen Sagen zu malen. Blicke ich zurück auf meine Reise bis jetzt, liegen zwei Rollen vor mir, die ich bekleiden kann. Die des Opfers, oder die der Reisenden. Ich habe mich erneut für Zweiteres entschieden, weil das Leben viel zu schön und ein viel zu großes Geschenk ist, als es mit Selbstmitleid zu füllen. Für mich persönlich ist alles geschehen, um mir die Chance zu geben, die beste Version meiner selbst zu sein oder zumindest ständig und tagtäglich daran zu arbeiten.Die Muse heilt alle Wunden – Sie macht das Schönste aus jeder Verletzung.

 

Kunst – mein roter Faden, mein Hier, mein Jetzt und meine Zukunft. Was bin ich froh über jede Minute vor einer anfangs weißen Fläche. Was bin ich froh über mein Leben.

 

 

Es wär nichts so wie es ist, wär es nicht gewesen wie es war … und so ist es gut.

 

© tamara-matara