Fünftes Leben : 2013 – 2015

Irgendwann in dieser Zeit fasste ich erneut den Entschluss, mich und meine Werke der Welt zu präsentieren. Die Antwort, die ich bis dato auf die Frage hätte geben müssen, was ich denn, sollte auch ich mal aus dieser Welt scheiden, mit der mir vermachten Gabe gemacht habe, wog plötzlich zu schwer:

Nichts …

Diese Antwort möchte ich niemals geben müssen.

 

Ermutigt von meinen Freunden und getrieben von dieser einen großen Frage die wohl der Tod meines Vaters auslöste, brachte mich letztendlich zu meiner ersten Vernissage im Café Tintenfaß. Ausgewählte Bilder, die ich bis dato kreierte, schickte ich das erste Mal vor die Augen mir fremder Betrachter. Damals noch Illustrationen, die ich am Computer nachgearbeitet hatte, feinsäuberlich gedruckt und gerahmt. Die kleine Vernissage war ein Erfolg und gab mir Kraft und viel Zuversicht, für einen neuen Lebensabschnitt. Ich sah wohl ein, dass ein Vollzeitjob, wollte ich den Weg des Künstlers einschlagen, meinem kreativen Schaffen im Wege stand und kündigte bei H&M. 2013 endete somit im absoluten Neubeginn.

 

Eine zweite Vernissage fand bald darauf statt, wiederum im Café Tintenfaß und siehe da, noch mehr Besucher kamen und mein erster kleiner Artikel in der Presse erschien. Wieder ein Erfolg. Ich war beflügelt, lernte dadurch den Präsidenten vom Werkbund Steiermark Curt Schnecker kennen, der mir wichtige Tipps gab und später auch mein Mentor wurde und ich spürte endlich Wind unter meinen Flügeln.

 

Dann zerbrach meine Welt durch ein Konglomerat an zwischenmenschlichen Dramen und Katastrophen – meine persönliche Götterdämmerung brach über mich herein. Eine Portion zerstörtes Vertrauen, ein Tupfer Verleumdung, etwas Denunziation, eine ordentliche Prise freundschaftlicher Verrat von mehreren Seiten und ein bisschen von diesen und jenen Grausamkeiten, die mit so etwas nun Mal einher gehen und die sich all zu leicht tief in Herz und Seele fressen. Ich zerbrach in tausend Stücke, weil ich es nicht kommen sah und ohne Schutzschild war. Diesmal hatte der Kummer eine mir unbekannte Beschaffenheit, war anders und irgendwie größer als die Art, die ich kannte und mit der ich umzugehen verstand. Er sickerte zu tief in mich ein und mein Körper wurde dadurch sehr krank. Er schaltete mich aus und beendete vorübergehend alles Gewohnte.

 

Doch das schönste Blümchen wächst nun mal am besten mit viel Mist und so führte die Krankheit, die nach dem Zerschellen kam, die Pflege im Krankenhaus und die Stille letztendlich zur endgültigen Heilung.
Ich war so aus meiner Bahn geworfen, dass ich erstmals von einer anderen, mir neuen Perspektive auf mein Leben blicken konnte. So kam es, dass mir meine Götterdämmerung letztendlich Friede brachte, Verstehen und Heilung. Ich malte mich neu in die Welt, schaute noch einmal meinen bisherigen Lebensweg von außen an, fand mein Gleichgewicht wieder, konnte meine Seele vom Schweren befreien und letztendlich Verzeihen.

 

Es war der großartigste Punkt in meinem Leben, der mich alle Schranken sprengen lies. Zerstörung bringt immer die Möglichkeit für den Neubeginn – eine wunderbare Dualität finde ich. Ich, die bis dahin – unsicher wie ich war – für Ausstellungen nur mit dem alles verzeihenden Computer an meinen Bildern gearbeitet hatte, kaufte mir das größte, schwerste, teuerste großformatige Papier, das ich erstehen konnte sowie meine erste hochwertige Leinwand und stürzte mich darauf. Was entstand konnte ich mir selbst nicht erklären. Das war ich? So etwas konnte ich produzieren? Habe ich bis jetzt überhaupt was mit ganzem Herz und Seele kreiert? Es war wunderbar – es schmeckte nach wilder Freiheit.

 

Kaffee verkaufen als Brotjob und in der freien Zeit mich selbst beim Malen neu kennenlernen war herrlich und all das Drama wert, das vorher war. Ich beschloss dem Ganzen eine Seele zu geben, indem ich über die großen Dinge zeichnete und malte, die uns alle regelmäßig erschaffen und von neuem zerstören. Über den Tod, das Vergehen, die großen Gefühle ob positiv oder negativ – über das Leben und Überleben, Sterben und Wiederkommen.

 

© tamara-matara