Erstes Leben : 1980-1994

Ich wurde am 17.07.1980 in Bad Aussee geboren. Ich würde gerne kitschige Attribute anhängen wie „an einem heißen Julimorgen“ oder „nach einem heftigen Sommerregen“ aber was weiß ich schon, was damals für ein Wetter war – also eben ohne Kitsch.

 

Ich hatte zwei absolut großartige, jüngere Brüder – Leonhard und Christoph. Leonhard – nur ein Jahr und einen Tag jünger als ich, war mein engster Vertrauter, Mitverschwörer bei jeglichem Unfug, den man als Kind hauptberuflich nachkommen muss und Geheimniswahrer meiner Träumereien.

 

Christoph, unser Nesthäkchen, war sechs Jahre jünger – mein besonderer, wunderschöner, spastisch gelähmter Bruder der durch seine große, warme und liebenswerte Persönlichkeit das Zentrum unserer Geschwisterbande war.

 

In meinen ersten Lebensjahren erfuhr ich, denk ich heute darüber nach, all die Liebe und Förderung, die das Fundament bildeten, um die Schicksalsschläge zu meistern, die da kamen und die mich zu der Person machten, die ich heute bin.

 

Es waren goldene Sommer am Bauernhof meiner Großeltern, bunte Herbste mit langen Spaziergängen durch farbenfrohe Wälder, lauschige Winter mit heißem Kakao und Butterbroten und zarte Frühlinge, die wieder Farbe auf die Wangen brachten. Noch heute bilden diese längst vergangenen Erinnerungen Oasen der Geborgenheit in meiner Seele. Sie sind mir Orte der Ruhe und Kraft, wenn die Stürme wieder einmal toben im Leben.
Meine allerbesten und ältesten Freunde waren, ab dem Moment wo ich sie halbwegs gut behandeln konnte, meine Stifte und Zeichenblöcke mit denen ich heraus malte was ich nicht verstand, was mich berührte und was mich freute. Mit ihnen erklärte ich mir selbst die Welt und erschuf sie mir neu. Kein Blatt war vor mir sicher, keine Wand, kein Fußboden, ja nicht einmal Autotüren … sehr zum Leidwesen meiner Eltern aber so ist das denk ich wohl mal mit einem Kind, das die Muse zur Patin hat.

 

Das erste Leben endete mit einem Urknall, der mein Universum bersten ließ – mit dem Unfalltod meines geliebten Bruders Leonhard, dem Tod meines gleichaltrigen Cousins Jürgen, der so kurz darauf plötzlich passierte und das Verscheiden meines heiß geliebten Großvaters. Kommt der Tod, so kommt er nie nur einmal was mich die zwei Jahre der ersten Verluste in meinem Leben lehrten und deren Wiederholungen dies im Laufe der Zeit nur bestätigten.

 

Der Tod Leonhards war die erste Bürde, die ich erfuhr im Leben … Kinder, die sterben… Wie? Warum? Darf das sein? War es vielleicht ein Irrtum und alles wird schon morgen wieder wie vorher? …
Während andere Kinder am Spielplatz spielten, sich das erste Mal verliebten, stritten und wieder versöhnten, da stellte ich mir die großen Fragen des Lebens.

 

Warum stirbt man? Ist Gott gerecht? Gibt es einen Gott? Gibt es mehrere von ihnen? Bin ich schuld? Gibt es einen Grund? Wenn ich das Privileg habe weiter leben zu dürfen, was ist dann meine Aufgabe und wie finde ich heraus was meine Aufgabe ist?

 

Zum Reden war niemand da, also beantwortete ich mir meine Fragen selbst – geholfen hat mein Zeichenblock, meine Stifte, meine Linie, meine Farben, mein Talent.

 

Talent – letztendlich nichts anderes als die Aufforderung, sich damit einen Auftrag zu schaffen im Leben …. dem ganzen Sinn zu geben, einen Inhalt, eine Bestimmung.

 

© tamara-matara